Das Größte im Ramadan

Ramadan ist eine Verwandlung. Es verwandelt die Menschen, die Zeit, die Wahrnehmung,  den Alltag.  Die Nächte sind lang und laut und die Tage leiser und kurz. Alle haben ihr Tun und ihre Machen, und trotzdem scheint alles langsamer, gemächlicher. Die Meisten gehen früher nach Haus.

Die Uhr wird auf Winterzeit zurückgestellt  (natürlich ist der Tag damit trotzdem gleich lang aber das freiwillige tarawih Gebet, das nach dem Nachtgebet folgt, ist damit nicht allzu spät), auch die Schulzeiten ändern sich. Der Tag beginnt überall etwas später und endet meist noch später. Ob man will oder nicht, wenn um 19.30h mit der Familie das iftar (Fasten brechen am Abend) stattfindet, und manche noch mit den Kind und Kegel in die Moschee oder spazieren geht, dann wird es spät. Vor unserem Haus findet ein Fußballer um 2h nachts noch immer Gleichgesinnte, die dann fröhlich um die Wette bolzen. Tja, damit muss man hier rechnen.  Die Polizei kann man da nicht herbei bemühen.

Ich will es auch nicht. Für mich ist es okay.  Es ist ein Ausnahmezustand einmal im Jahr. Es ist eine schöne, eine ausgelassene Stimmung. Eine die mitreißt.

Mein persönliches Highlight? Die Zeit vor dem Gebetsruf zum Maghrib Gebet (Abendgebet). ICh habe diese Stadt noch nie so still erlebt. Die paar Minuten bis man das Fasten brechen darf könnte man tatsächlich eine Nadel fallen hören auf den Straßen.  Nichts regt sich. Kein Blatt, kein Mensch. Die Strassenverkehr sind leergefegt.

Ich liebe es, wenn ich diese Momente auf der Terrasse geniessen kann, und diese kostbaren Momente ganz für mich habe. Es kommt nicht häufig vor aber umso fester halte ich diese Augenblicke. Da bin ich einfach für mich. Niemand will was, ich will nichts, ich muss nichts sein und nichts sagen. Bis ein Knacken im Lautsprecher den Zauber durchbricht und den Adhan ankündigt. Ein würdevolles Ende für diese wertvollen Minuten mit mir selbst.

Ach, wäre diese Stadt nur öfter so still und würden wir alle nur öfter zum Innehalten kommen.

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Sommer, Sonne, Kakerlakenzeit

Eure Assoziation zu Sommer?

Wenn ihr Sommer hört, denkt ihr da zuerst an Strand, Hängematte, Badesachen? Ja, schön für Euch dass ihr so etwas assoziiert. Das war einmal. Wisst ihr, an was ich zuerst denke?

An Kakerlaken. Übrigens eines der ersten Worte, die mein Sohn sprechen konnte. 😛

Haustierchen in Marokko

Es ist echt kurios. Ich lebe in einer Großstadt und mir rückt die Natur hier wie nirgendwo sonst auf die Pelle. Ich habe noch nie so viele Tiere um mich gehabt wie hier, leider mehrheitlich keine possierlichen. Nicht in Hamburg, nicht in Brandenburg im Wald, da erst recht nicht, weil man wilde Tiere eben sehr selten sieht und auch nicht, als ich regemäßig als Kind Haustiere hatte … die leider nach nicht allzu langer Zeit irgendwann den Löffel abgegeben haben. Ich hatte irgendwie kein Glück mit Tieren.

In Marokko sind sie robuster. Neben den Eseln und Pferden auf Straße und Markt, oder den Schafherden, die auf dem Weg zum nächsten Futterplatz über die Fahrbahn latschen und streunenden Hunden und Katzen, …

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… kreuzen meinen Weg noch viele Krabbeltierchen, deren Bekanntschaft ich lieber nicht machen würde. Im Winter hat man Ruhe. Das ist wirklich herrlich. Ja, man friert sich den Arsch ab, aber ansonsten, alles easy, zumindest bei mir. In den Dörfern und provisorischen Hütten, mit klirrendkaltem Wasser ist der Winter unerträglich. Ich habe Fotos gesehen: Frauen, die ohne Socken mit Flip Flops Schnee schippen, Dörfer die im Schnee versinken. Das ist unbarmherzig. Mein Leben hier in der Großstadt dafür mehr als komfortabel.

Nachdem ich diese Bilder im Kopf habe, mag ich gar nicht mehr weiter schreiben, aber das werde ich nun zu Ende bringen. Ich heule auf hohem Niveau, muss man also dazu sagen, dennoch …

Mir grauts vor der alljährlichen Tierinvasion. Denn egal was man macht, sie kommen. Dagegen hilft nur Chemie ohne Ende und da bin ich echt kein Fan von. Oder man kämpft mit Hausmittelchen, Staubsauger und viel Durchhaltevermögen. Die sind nämlich einfach nicht unter zu kriegen.

Glaubt mir, Motten, Bettwanzen und Kakerlaken können sowas von nervig sein. Bei Kakerlaken könnt ihr machen, was ihr wollt, sie kommen überall rein, überall hin. Selbst wenn die Küche wie geleckt aussieht. Und dann sind das hier dem kuscheligen Klima sei Dank auch echte Brummer. Aber Kakerlaken sind nicht das Schlimmste. Die kriegen von mir ordentlich was mit der Sandale übergebraten.

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Es macht hier aber durchaus Sinn, keine Lebensmittel offen herum stehen zu lassen, man weiß nie, wer da als nächstes durchkrabbelt. Baby Kakerlake oder gar der fette Herr Papa?

Richtig Schlimm ist aber Kleinzeug. Als wir Bettwanzen hatten (glaube ich jedenfalls, dass es welche waren) recherchierte ich im Internet. Und da stand dann so schön lapidar: Rufen Sie einen Kammerjäger! Na toll! Diesen Beruf gibt es hier gar nicht. Das heißt dann, ich gebe mein Bestes und krempel das ganze Zimmer um. Ich habe Wäsche gewaschen, Möbel auseinander gebaut, gewischt, gesaugt, ich habe alles auf den Kopf gestellt. Das sieht dann so aus. Damit ist man eine ganze Woche beschäftigt.

Dann hatte ich einen Moment Ruhe. Und jetzt haben wir seit letzten Sommer Kleidermotten. Ahhhh, ich kriege die Krise!!! Alles wieder von vorne. Im Winter war kurze Verschnaufpause und kaum steigen die Temperaturen. Gestern sah ich wieder die Erste…. Grmpf! War ich letztes Jahr nicht gründich genug. Als hätten wir nichts Besseres zu tun als kleine Rüpel auszurotten. Grmpf. Aber auch wenn wir keine Strümpfe oder kaum noch T-Shirts ohne Löcher haben, zumindest stechen sie einen nicht. Das muss man nämlich auch erwähnen: Mücken gibt es hier nicht!

 

Wir sind gerade jedes Wochenende Drachensteigen. Mann, habe ich das lange nicht mehr gemacht. Und hätte ich jetzt auch nicht gedacht, dass ich gerade das so gut in Marokko machen können werde.

Nebenbei pflücken wir fleißig Blumen auf dem Feld. Das können wir nur jetzt. In spätestens einem Monat sind die alle verdorrt, wenn die Hitze wieder übers Land weht. Ich muss sagen, ich habe erst hier Wasser und Regen wirklich zu schätzen gelernt. In diesem Sinne: Schöne Frühlingsgrüße von uns an Euch alle!!!

Ein selbst gepflückter Blumenstrauß von orangenen, gelben und weißen Feldblumen

Jobsuche in Marokko – Was läuft anders?

Man nehme Mutter, Vater und Kinder und versetze sie nach Marokko. Nachdem man nun schon einmal die flauschige Kindergartenbetreuuung abzieht, die manchmal sogar das Mittagessen abdeckt, hat man in Marokko ein Problem, falls Mutter und Vater arbeiten gehen. Das Dilemma habe ich beschrieben: Familie und Beruf in Marokko – geht das?

Ich dachte mir nun, man könnte doch bestimmt auch hier Teilzeit etwas reißen. Und habe mich auf die Socken gemacht. Weiterlesen „Jobsuche in Marokko – Was läuft anders?“

Wie viele Sprachen sind zuviele? – Mehrsprachige Erziehung in Marokko

Ich hätte damals töten können für die Möglichkeit, mehr als eine Muttersprache zu haben. Die Vorstellung, mehrere Sprachen zu beherrschen, ohne dass man dafür etwas tun muss … wie herrlich! Ich krebse stattdessen jetzt seit Ewigkeiten mit dem Arabischen rum…. Aber hinsichtlich meinen Kindern frage ich mich genau das Gegenteil?

Vier Sprachen und mehr – kann das gut gehen?

Weiterlesen „Wie viele Sprachen sind zuviele? – Mehrsprachige Erziehung in Marokko“

Ausländer in Marokko – das Leben als Außerirdische

Hilfe – meine Rolle ist falsch

Schon mal im falschen Film gewesen? Ihr versteht die Story, die Musik passt auch dazu, aber jetzt sollt ihr plötzlich rein springen und eine Rolle übernehmen. Ihr bekommt Schweißausbrüche, ihr fangt an zu stottern, ihr kennt den Text ja gar nicht. Und das Schlimmste, die Absprachen auch nicht. Wie geht´s nochmal weiter? Was macht man, wenn der Regisseur die Hand hebt? Als er die Faust ballt, ist plötzlich Pause, dabei denkst du, du kriegst gleich eine rein. Verwirrt?

Ja, ich auch. Des Öfteren hier. Weiterlesen „Ausländer in Marokko – das Leben als Außerirdische“

10 Dinge, die Marokko – Touristen garantiert wissen wollen

Listen sind was Feines. Ob To-Do-Listen, die nie ein Ende haben oder Vokabellisten, Einkaufslisten, Best of- Listen… egal, ich mache jetzt auch Listen hier. Die erste gab es schon zum Thema Winter in Marokko: 7 Dinge, die den Winter in Marokko einfacher machen . Heute dann zum Straßenverkehr, mit10 Dingen, die ihr garantiert noch nicht wusstet.

Die Straßenregeln lassen viel Spielraum für eigenen Fahrstil, Überraschungen und Improvisation. Wen das näher interessiert, den sei mein Post Vom kreativen Autofahren und anderen Besonderheiten ans Herz gelegt.

Aber es gibt auch Dinge, an denen lässt sich nicht rütteln und über die verhandelt besonders die Polizei nicht gern. Wenn das auch noch Dinge sind, die in Europa ganz anders laufen, dann wird man eventuell im Urlaub plötzlich mit einer schönen Geldbuße oder am besten noch mit einem Besuch durch den Abschleppdienst überrascht. Hier kommen also meine Top 10 der wissenswerten Dinge über den Straßenverkehr, von gefährlich über lahm bis skurril: Weiterlesen „10 Dinge, die Marokko – Touristen garantiert wissen wollen“

Yippie, eine Auszeichnung

Kennt ihr das arabische Geträller der Frauen, was zu Hochzeiten oder anderen Feierlichkeiten ertönt? Leider kann ich noch keine Tonspuren einstellen, das würde ich jetzt zu gerne. Ich habe eine Auszeichnung bekommen!!! Mir schwant, es ist nichts, weswegen die Welt still steht oder mir gleich meine Leserzahlen Rekorde brechen, aber mir zeigt es, es gibt Menschen, die mich lesen und die mögen, wie ich schreibe. Das macht mich glücklich.

Danke Dir, liebe Lydia von Lydias Welt . Lydias WeltIhr Blog lohnt so sehr. Es eröffnet euch Welten und Perspektiven, nämlich die einer „blinden Mutter mit arabischem Hintergrund“ Weiterlesen „Yippie, eine Auszeichnung“

7 Dinge, die den Winter in Marokko einfacher machen

Aus gegebenen Anlass den Artikel nochmal. Die Kälte hat uns wieder. Habe diesen Winter einen Punkt mehr auf der To Do-Liste: Ich will Schnee sehen! Ifran, ich kommeeeeeee!!! Ob sie da wenigstens Heizen oder was machen sie da, wenn sie durchgefrohren von der Piste kommen?! Das muss ich wohl herausfinden.

marokkomittenmang

Marokko und Winter, das sind zwei Dinge, die in meinem Kopf nicht zusammen passen. Marokko ist Sonne, Strand, Surfen, lärmende Basare. Winter heißt Schnee, rote Nasen, Eiszapfen am Fuß. Ach so …. na dann, dann passt es doch!

Surfen geht hier keiner mehr, aber außer Schnee habe ich in Casablanca jetzt auch eine rote Nase, eiszapfenartige Hände und Füße, ständigen Tee- und Suppendurst. Im November war alles noch schön gemäßigt und seit Dezember komme ich morgens noch schlechter aus dem Bett, weil ich Rauchwolken atme. Im Haus wohlgemerkt. Dem Lärmpegel auf der Straße zu urteilen, bin ich die einzige, die morgens aufsteht. Wie dann doch auch noch andere Kinder in der Schule sitzen, kann ich nicht verstehen.

 Jeden Tag denke ich nun: Wenn ich schon so friere, wie dann erst die Menschen in Flüchtlingslagern? Die Obdachlosen oder die Menschen in den Bergen, in denen es wirklich kalt ist und auch…

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