Zähneklappern

Jetzt ist sie da….die Kälte. Seit einer Woche ist es wirklich kalt, in einigen Regionen liegt sogar Schnee. Nicht dass es nicht auch in Marokko auch kalt wird im Winter. Ich muss nur sagen, ich habe dieses Jahr nicht mehr wirklich damit gerechnet. Normalerweise ist es Dezember bis Februar richtig kalt. Bis jetzt waren es tagsüber immer angenehme 20 Grad und nachts kühlte es etwas ab. Aber man konnte sich noch ohne Schlottern abends auf die Couch setzen. Ich sitze hier nun inzwischen mit Wolldecke auf der Couch. Man muss wissen: Die Häuser haben normalerweise keine Heizung, was auch wenig Sinn macht für schlappe zwei Monate. Und trotzdem… ich vermisse gerade ein schön kuschelig geheiztes Zimmer. (In 7 Dinge, die den Winter in Marokko einfacher machen lest ihr Überlebensstrategien) Aber trotz kalter Nase und zwei dicken Decken zum Schlafen denke ich mir, dass eine elektrische Heizung jetzt auch keinen Sinn mehr macht. Stattdessen ziehen wir uns einfach dicker an, dachte ich. Und werde wieder in die Vergangenheit zurückgeworfen, eine Zeit, in der meine Tochter gerade neu in den Kindergarten ging. Bis dato wusste ich nicht, dass eine banale Tätigkeit wie Anziehen so ein Drama sein kann. Jetzt im Jahr 2016 ist sie keine 2 Jahre mehr alt und ich dachte, das Thema wäre erst einmal überwunden.

Nun versuche ich jeden Tag meine Tochter davon zu überzeugen, sich nach dem Zwiebelprinzip anzuziehen. Zumindest zuhause am Spätnachmittag wenn es kalt wird. Und besagter Zwiebellook ist für jemanden, dessen Traumberuf Prinzessin oder im schlimmsten Fall Elfe ist, die sich jeden Tag aufs Neue in Schale wirft, dessen Lieblingsfarbe rosa (was habe ich nur falsch gemacht?!) und Lieblingstätigkeit Schminken ist, das Schlimmste zwischen Himmel und Erde. Immerhin bekommt sie keinen Tobsuchtsanfall mehr, aber ewige Fragen, Dialoge, Erklärungen, Tränen haben das Thema einfach auf eine etwas rationalere Ebene gehoben. Soviel zu unserer Entscheidung ohne Heizung den Winter zu verbringen.

Ich kann das nicht verstehen. Ich wollte aber auch noch nie in meinem Leben eine Prinzessin sein. Und Elfe schon gar nicht. Tja, so unterschiedlich kann man sein. Wenn ich nicht bei der Geburt dabei gewesen wäre, würde ich manchmal ernsthaft an meiner Mutterschaft zweifeln.

Ein Trostpflaster für die alltäglichen Anstrengungen meine Tochter wettergerecht anzuziehen: Der Regen. Niemand kann sich vorstellen, wie sehr man sich in einem trockenen Land, in dem es normalerweise seit November regnen sollte, sich aber kein Tropfen sehen ließ, über Regen freut. Die Bauern sicher noch mehr als ich. Und dennoch… ich denke es wird nicht reichen, wenn Mitte März tatsächlich der Frühling anfängt. Den ich übrigens in Marokko noch nie erlebt habe. Aber vielleicht lässt auch der Frühling auf sich warten. Bis dahin übe ich mich weiter in Diplomatie und Rhetorik, und hülle mich in meine tausend Wollstrickjacken und Decken.

So halten wir durch… und ich für meinen Teil weiß jetzt schon, dass ich mich im Juni in den Februar zurücksehnen werde.

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Ein Gedanke zu “Zähneklappern

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