Versuch einer Integration II

Zu dem Thema Integration sowie zur Sprache gibt es so viel zu sagen, da werde ich wohl noch einige Fortsetzungen schreiben. Vergleichend mit manchen Forderungen, die in Deutschland an Migranten gestellt werden, ist ein Auslandsaufenthalt mit Kindern sehr aufschlussreich.

Ich sah oft das Unverständnis vieler Leute, gegenüber Übersetzungen bei Ärzten, Schulen, Krankenhäusern. Ja, eine Sprache lernen geht nicht von heute auf morgen. Erst recht nicht, merke ich jetzt, wenn man eigentlich schon genug zu tun hat mit dem Alltäglichen und keine Sprachschule besucht. Meine ersten Schritte habe ich in Versuch einer Integration geschildert. Und … eine Sprache sprechen und sie lesen sind auch noch einmal zwei verschiedene Paar Schuhe.

Meine Tochter bekommt des Öfteren Zettelchen nach Hause geschickt, auf denen wichtige Dinge stehen. Wäre mein Mann nicht, könnte ich sie nicht lesen. Beziehungsweise lesen schon (was nicht selbstverständlich ist, da es sich um eine komplett andere Schrift handelt), aber zum Übersetzen brauche ich dann eine Stunde.

Außerdem erklärt sich mir sehr langsam erst das „Schul“System. Ich habe Unmengen an Materialien, Stiften, Kleber, Bastelkram für meine Tochter gekauft, und plötzlich war alles aus ihrer Tasche verschwunden. Eine andere Deutsche, die ich hier kennengelernt hatte, klärte mich auf, dass alles im Kindergarten bleibt. Okay. Gut zu wissen. Letzte Woche fragt sie mich, ob ich weiß, dass am Folgetag oder tags darauf der Kindergarten schließt. Nö. Wusste ich noch nicht, aber ich fand dann den besagten Zettel in der Tasche. Aber erst nach genauem Hinschauen was ich nicht jeden Tag tue. Sollte man aber scheinbar, wenn man die staatlichen Feiertage nicht im Kopf hat. Und nur ein Blick aus dem Fenster gibt meist kein Aufschluss, da viele Geschäfte trotz Feiertag öffnen.

Ich bin nur froh, dass ich Französisch kann. Das erleichtert ein bisschen etwas. Ich kann, auch wenn ich er versuche zu vermeiden, darauf ausweichen. Auch bei Hausaufgaben auf Französisch, könnte ich ihr gar nicht helfen. Ich weiß jetzt, dass es für die Eltern der Kinder mit Migrationshintergrund wahnsinnig schwierig sein muss, Hausaufgaben in Deutsch oder in Naturwissenschaften auf Deutsch zu machen. Das ist für Eltern ohne Migrationshintergrund oft schwierig genug.

Einen anderen Tag kam sie mit zwei Heften nach Hause, dort sollten sie zwei Aufgaben erledigen. Unten stand dann etwas auf Arabisch….Nach Übersetzung meines Mannes versteckte sich in dem sehr kurzen Text drei Aufgaben für sie und das Wort Unterschrift. Ich fand es nur logisch, dass die Lehrerin dort unterschreibt. Es stellte sich das Gegenteil heraus. Habe dann mit Rotstift auch einen Kommentar in ihr Heft bekommen als Mama, weil die Unterschrift fehlte. Meine erste Rüge 😉 Es wird wohl nicht die letzte bleiben. Da bin ich mir sicher.

Wenn ich mir etwas wünschen dürfte: Einen Integrationskurs, tolle Broschüren, die einem das Land erklären und welche Aufgaben diese ganzen wichtig klingenden Institutionen haben, welche Unterlagen wo zu bekommen sind und wo eingereicht werden müssen.

Aber das ist es ja. So funktioniert es in Deutschland, nicht in Marokko. Da muss ich wohl durch. Und es würde das Abenteuer vielleicht auch etwas schmälern, wenn alles schön ordentlich aufgelistet wäre, jeder Ansprechpartner mit Email und Telefonnummer im Internet zu finden. Hier funktioniert es eher wie das Sprichwort: Der Weg ist das Ziel. Man ist nach einem gestellten Antrag oder einer Shoppingtour zwar um ein paar Blasen am Fuß und vielleicht um ein paar blankgelegte Nerven reicher, aber man hat auch vielleicht die ein oder andere Perle in diesem Großstadtdschungel entdeckt oder eine Bekanntschaft gemacht. Aber ich gestehe…. Ich wünsche mir oft genug meine übersichtliche, informative, keine Fragen offen lassende und zeitsparende Hochglanzbroschüre. Noch nicht integriert, sag ich nur. J

 

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3 Gedanken zu “Versuch einer Integration II

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