Wie das Einkaufen in Marokko meine Mathekenntnisse verbesserte

Eine ganze Weile nach dem Sommerurlaub ging ich sehr ungerne einkaufen. Gerade die ersten beiden Wochen brauchte ich, um anzukommen und mich wieder umzustellen, und einkaufen kostete mich in dem Moment einige Überwindung. Man redet einfach so viel mehr und kann sich vor einer Interaktion nicht drücken. Selbst wenn ich alles schnell hinter mich bringen will, muss ich hier auf jeden Fall den Mund aufmachen. Ich muss ich immer zu mehreren gehen, um die Preise zu vergleichen. (Okay, ich muss nicht, aber ich versuche den Preis möglichst zu handeln wenn es möglich ist). Anders als im Supermarkt. Ware auf das Band stellen, kurz ein Moin grummeln, Ware einpacken, bezahlen und Tschüß. Der Standardfall in Deutschland also, wenn man dort nicht aus Überzeugung zum Markt oder Bioladen geht. Aber selbst im Bioladen würde man sich nicht hinstellen und versuchen das Kilo Müsli vielleicht doch für nen Euro weniger zu bekommen. Wäre mal ein lustiger Selbstversuch.

Jedenfalls redet man immer, auch wenn man nicht handelt. Denn die Preise stehen nur im Supermarkt an der Ware. Beim Obst, Gemüse, Fisch und Fleisch wird meist der Endpreis gleich ohne Spielraum nach unten genannt. Bei Kleidung kann man meist handeln, es sei denn man ist in einem größeren Laden, wo Preise explizit ausgeschildert sind. Außer reden und Verkäufer um den Finger wickeln, muss man zu allem Überfluss beim Einkaufen vor allem eines können: Kopfrechnen. Das ist ja so etwas von meine Stärke, haha.

Es ist schön, dass hier in Marokko mit Dirham gezahlt wird, aber leider, leider, leider rechnen alle mit Rial. Das ist so ähnlich wie der Pfennig oder heutzutage centimes, aber eben nur so ähnlich. Der Clou ist, dass 20 Rial 1 Dirham entsprechen. Wenn der Preis mir also in Rial genannt wird (was so gut wie immer der Fall ist), muss ich schleunigst meine grauen Zellen auf Trab bringen, damit ich der Verhandlung folgen kann und am Ende auch weiß, welchen Schein ich nun hinreichen muss. Ich muss dann also den Preis immer durch 20 dividieren, damit ich auf den Preis in Dirham komme (kurze Erläuterung für Matheasse wie mich ;-)).

Anfangs bereitete mir das gewisse Schwierigkeiten, aber inzwischen bin ich wirklich gut im Kopfrechnen geworden. Vierstellige Zahlen gehen inzwischen auch schon ganz fix. Nur bei fünfstelligen oder noch größeren Beträgen bin ich aufgeschmissen. Und meine Denkleistung ist noch verbesserungswürdig. Denn immer öfter wollen die Leute von mir auch noch in Rial verhandeln. Sprich ich muss ihren genannten Preis in Dirham umrechnen, meinen Preis, den ich natürlich in Dirham im Kopf habe, wieder auf Rial zurückrechnen. Das Rückrechnen dauert dann dreimal solange. Er oder sie nennt mir wieder einen neuen Preis und das Spiel beginnt von vorne. Oje. Schreckliche Vorstellung, oder?

Anfangs wähnte ich mich in Sicherheit und hoffte auf ein ungetrübtes und besonders kinderleichtes da rechenfreies Shoppingvergnügen, wenn meine Schwägerin oder meine Schwiegermutter dabei waren. Aber ich musste schnell feststellen, dass sie zwar völlig korrekt in Dirham bezahlen konnten, aber auf meine Frage, wieviel das denn nun in Dirham sei, keine Antwort wussten. Aber letztendlich schadete mir das natürlich nicht. Das beschleunigte meine Mathekenntnisse ungemein.

Also hier gleich zwei gute Tipps für alle Reisenden, die sich in Marokko ins Getümmel stürzen wollen: Erstens immer Bargeld dabei haben. Die Kreditkarte ist in Marokko noch nicht ganz angekommen (außer in großen Hotels oder den paar Supermärkten). Und zweitens: 1×1 üben. Könnte helfen! 😉

 

 

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