Familie und Beruf in Marokko – geht das?

In Marokko stecken Eltern, bzw. immer noch meistens die Frauen, in einer Klemme. Zumindest wenn sie arbeiten wollen und Kinder kriegen. Die Männer sind häufig die Hauptverdiener. Aber auch viele Frauen arbeiten inzwischen. Denkst Du, in Deutschland ist es schwer als Berufstätige Kinder zu bekommen oder als Mutter berufstätig zu sein?! Nichts gegen Marokko, es sei denn, die Kinder sind dir egal.

Mein Status quo

Der Jüngste ist inzwischen 2,5 Jahre zuhause. Das war grundsätzlich nicht so geplant. In Deutschland wäre er allerspätestens mit 1,5 Jahren in die Kita gewandert. Denn ich bin keine Gegnerin von Kindergartenbetreuung und finde für mich neben Berufstätigkeit viele Gründe, warum ich Kinder in die Kita geben würde. Allen voran kann es gut für die Kinder sein. Sie lernen dort wahnsinnig viel. Außerdem verhindert es das Abdriften der Eltern in den Wahnsinn. Hut ab für Eltern, die ihre Kinder ununterbrochen bis zum Schuleintritt betreuen. Ich bin dem Wahnsinn oft genug viel zu nah. Und ein weiterer guter Grund ist, dass ich nicht im Mama_Sein aufgehe. Ich mache es gerne, aber mir fehlt etwas.

Es ist nicht sicher, ob ein Job meinen Verstand rettet. Aber das weiß ich erst, wenn ich es ausprobiert habe. Und es hat etwas für sich, mit erwachsenen Menschen zu reden über Dinge, die auch mich interessieren. So ohne Job schwebe ich hin und her zwischen der Welt der Barbies und den Bauernhöfen der Welt. Schlage mich mit Katastrophen herum wie den Ungerechtigkeiten des Lebens: Wer den größten Keks bekommen hat, wer die hübschere Puppe bekommt, oder ob Händewaschen vor dem Essen wirklich sein muss. Auf Dauer nicht das, was mich inspiriert. Eine Arbeit bringt auch da willkommene Abwechslung.

Welche Betreuungsmöglichkeiten gibt es?

Was allerdings klar ist: ich habe in Marokko zwei Möglichkeiten, ein Kind betreuen zu lassen:

  1. Nanny
  2. (Vor-)Schule ab 2,5

Zu Punkt eins. Es kommt nur eine absolut vertrauensvolle Person aus der Familie in Frage, oder jemand, für den sich ein Familienmitglied quasi mit dem Leben verbürgt. So einfache Möglichkeiten wie eine Annonce aufgeben oder im Internet suchen nach einem Kindermädchen ist riskant. Man weiß nie, wen man sich ins Haus holt. Das klingt paranoid, aber mein Sicherheitsgefühl und die Vorkehrungen, die wir treffen, haben sich tatsächlich verändert. Das ist allerdings einen eigenen Artikel wert, den ihr bald hier lesen könnt.

Betreuung durch Vorschule

Mein Punkt zwei hat den Haken, dass er nur flächendeckend ab 2,5 Jahren zu haben ist und dann auch noch gewisse Risiken birgt. Die geistige Gesundheit der Kinder nämlich. Dieses Land hat ein Betreuungssystem, das ich einfach nur ätzend finde. Meinen Unmut habe ich schon in Schule? – Nein, danke bekundet. Schulanfänger absolvieren dieselbe Zeit in der Schule wie ältere Kinder. Ganztagsschule nach französischem Vorbild eben. Dabei haben sie eine lange Mittagspause, in der sie nach Hause kommen, wenn jemand zuhause ist und gekocht hat (zuhause bin ich, bei dem Rest gebe ich mir Mühe). Bei berufstätigen Eltern bleiben die Kinder in der Schule und essen dort. Eine super Vorstellung für 3-5-Jährige. Sollte ich mir nächstes Jahr einen Job an Land ziehen, heißt das auch Ganztag für einen 3-Jährigen. Allerdings sind Kantinen in Schulen immernoch eher die Ausnahme. Die Eltern brutzeln den Kindern nach Feierabend dann das Mittagessen für den kommenden Tag. Yuchhu. Noch eine Aufgabe mehr neben dem ganzen Haushalt.

Ich weiß, dass viele Kinder in Deutschland den ganzen Tag in die Kita gehen und das finde ich nicht schlimm. Weil sie in der Kita spielen, basteln, sich bewegen. Aber in Marokko ist es eben Vorschule. Viel sitzen, auch schon bisschen lesen und Schreibübungen und sehr verschult. Das finde ich einen ganzen Tag ununterbrochen für kleine Kinder hart.

Und sollte ich tatsächlich auf die Idee kommen, noch ein Kind zu bekommen, müsste ich eine Krippe finden, die schon Babys nimmt und fürsorglich ist. Es gibt sie. Aber man muss sie finden und auch bezahlen können. Ein kleines Baby in eine Krippe zu bringen, halte ich in Marokko daher in seltenen Fällen für eine gute Idee. Bei den meisten Einrichtungen bin ich misstrauisch, ob sie sich um das Kind bemühen, denn mehrheitlich sehe ich folgende Einstellung

  1. Kinder haben zu funktionieren.
  2. Ich erlebe eine niedrigere Hemmschwelle für körperliche Strafen.
  3. Ich sehe wenig Geduld und Berufung bei den Erzieherinnen.
  4. Transparenz ist selten.

Wenn beide Eltern arbeiten wollen, müssen sie sich also entscheiden. Geht die Mutter früh in den Beruf zurück, dann müssen die Eltern tief in die Tasche greifen.  Es sei denn ihnen ist die Qualität der Krippe egal. Und dass man sie als Eltern nicht erzieht, sondern die Lehrerinnen es tun. Andere Möglichkeit ist die Nanny, die allerdings noch schwieriger zu finden ist als eine gute Krippe. Ansonsten setzen die Mütter länger aus oder, in manchen Fällen, bleiben ganz zuhause. Ich habe keine Zahlen, aber ich schätze, dass letzteres Modell in Marokko sehr viel weit verbreiteter ist als in Deutschland. Und auch in Marokko die Mehrheit der Familienmodelle ausmacht.

Vereinbarkeit von Familie und Beruf? In Marokko also schwieriger. Es scheint so, man muss sich tatsächlich entscheiden, entweder oder.

Und ich? Nun, ich kann mich nicht damit abfinden. Ich will immer noch beides. Und werde irgendwie einen Weg finden. Hoffentlich.

***

Mich interessiert total, wie ihr das macht. Welchen Weg habt ihr für euch gefunden? Was würdet ihr in meinem Fall machen? Job durchziehen? Rücksicht auf die Kinder nehmen? Schreibt mir!

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