Tell me why I don´t like Mondays

Kennt ihr diese Tage, an denen ihr morgens schon gleich wieder Schlafen gehen wollt? Der Tag hat noch nicht angefangen und ist quasi schon zu Ende. Gerade eine Stunde jung, bekommt er von mir nicht den Hauch einer Chance. Wie das kommt und wie ich das verhindern könnte, weiß ich nicht. Ich weiß nur, dass solche Tage meistens Montage sind. Der Song von The Boomtown Rats ist mir auf den Leib geschrieben. Und diese besonderen Montagen sind plötzlich da, wenn auch selten.

Dieses Montagsdesaster nimmt seinen Lauf, obwohl ich ein CarpeDiem-Typ, ein Jeder-verdient-eine-zehnte-Chance und Optimistin bin. Meine Schmerzgrenzen für Katastrophen liegt sehr hoch und ich gelte als DIE Ruhe in Person. Fremdeinschätzung und Selbstwahrnehmung können voneinander abweichen.

Gefährlich sind Montage immer, aber das Eintreffen eines Katastrophentages äußerst selten.  Wir müssen erstens wieder früh aufstehen und zweitens das Madel in die Schule. Ich bin ein Nachtmensch und ich liege mit der Schule im Clinch. Das wissen sie nur nicht. Aber meine Tochter weiß es. Und das macht es nicht einfacher. Ich muss montags nicht nur mich überzeugen, überreden und motivieren. Nein, auch meine Tochter, die weiß, dass ich das alles äußerst ungern mache. (siehe Schule? – Nein, danke.) Grmpf! Kann mir jemand erklären, wie Gedanken wenigstens vor meinen Kindern  unentdeckt bleiben? Nun stellt Euch einfach einen angestrengten, überaus unwitzigen Animateur vor und ihr seht mich. Dann seht ihr meine Tochter, die das Ganze natürlich durchschaut und ihre Vermeidungsstrategien auffährt.

Wie komme ich da nur wieder heraus?

Heute hatte ich Glück. Tochter krank, und unser Tag beginnt ohne Schule. Wie kann ich diesen Tag denn trotzdem miserabel finden? Setzt euch einen Tag lang auf die Couch mit einem 20 kg Sack auf den Schoss und versucht etwas Sinnvolles zu machen. Schleppt den 20 kg Sack auf jedem Weg zur Küche, auf Toilette oder in andere Zimmer hinter euch her. Schaltet außerdem einen Rekorder an, der in 10 sec. Abständen Mama ruft und ihr wisst, warum ich heute einfach keine Mama sein wollte.

Da ich mich in der Müllhalde von Rotztüchern, angefangenen Broten, Mandarinenschalen und abertausenden Kekskrümeln auf dem Teppich nicht mehr wohl fühle, ist es mir sehr recht, dass wir zum Arzt gehen. Wir haben Glück. Die Praxis ist geöffnet.* Im Wartezimmer finden wir sogar Platz.

Wir warten und warten und warten. Irgendwann um 11.30 Uhr kommt sogar auch betreffender Arzt vorbei, um die erste Patientin zu behandeln. Das ist doch ein Lichtblick. Bisher sind wir fünf Frauen mit Kleinkindern und alle noch relativ still. Bisschen ungewohnt. Ich döse vor mich hin, meine Tochter – wo wohl? – natürlich auf dem Schoss. Einen ersten Satz habe ich zu meiner Sitznachbarin gesagt, leider wenig Reaktion. War ein Versuch. Hmm, vielleicht habe ich undeutlich gesprochen.

Die Tür fliegt auf und eine lebhafte Frau kommt herein. Sie haucht den Dahindösenden plötzlich Leben ein. Die Frauen reden plötzlich mit ihr und miteinander. Die Kinder fangen an, miteinander zu spielen. Ich verstehe die Welt nicht mehr. Wie geht das? Und da heute Montag ist, freue ich mich nicht einfach über ein bisschen Small talk. Nein. Bei mir fährt jetzt das ganze Programm auf.

Die Selbstzerfleischung beginnt

Wie macht sie das? Könnte ich doch auch so mühelos ins Gespräch kommen! Vielleicht bin ich selbst schuld, dass ich immer noch kaum Freunde hier habe. Was kann ich nur anders machen? Das Gedankenkarussel dreht sich und die Wahrnehmung heftet sich ab jetzt nur an Negatives.

Und vermiest mir auch den Nachmittag. Da für mich sowieso alles verloren scheint, gucken wir jetzt alle zusammen richtig lange Fernsehen, futtern Chips und trinken Limo. Heute gehen mir meine pädagogischen Ansprüche schwer auf die Nerven und wir verloddern. Hinterher melden sich die Ansprüche wieder und lassen kein gutes Haar an mir. Die Kinder fanden den Nachmittag super.

Heute Abend wollte ich dann ein bisschen Mitleid von meinem Mann. Er findet das natürlich unnormal, dass ich mir an so einem Tag die Kinder weg wünsche. Solche Gedanken sind auch gemein, wenn die Arme krank im Bett liegt und gerade sehr zuneigungsbedürftig ist. Leichtes Urteil vom Mann, wenn er die Kinder nur eine halbe Stunde sieht. Aber Verständnis für mich hätte auch nicht gepasst heute.

Und warum kommt der Artikel nun jetzt erst? Natürlich lief auch abends nichts und die Kinder wollten einfach nicht alleine schlafen. Wenn schon, denn schon. So lag ich also auch um 21 Uhr im Bett, stundenlang singend, Märchen erzählend,Text nicht fertig geschrieben, Zähne nicht geputzt, … und ein superpassender Montagtext erscheint am Mittwoch. Schön!

 

!!!Bitte, bitte, bitte sag mir jemand da draußen, dass nicht nur ich solche Tage habe. Und bitte, was macht ihr dagegen?

 

 

Anmerkung:

*Viele Arztpraxen haben feste Öffnungzeiten, aber es lohnt sich immer nach zu fragen, ob der Arzt da ist. Viele Ärzte arbeiten außerdem im Krankenhaus, und kommen erst später in die Praxis.

 

 

 

 

 

 

 

 

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2 Gedanken zu “Tell me why I don´t like Mondays

  1. Na, klar kennen wir alle solche Tage! Also nicht verzagen und auf euren Urlaub freuen. Es wird sich alles finden – man braucht manchmal nur einen seeeeehrt langen Atem. 🙂

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