Welcher Ramadan-Typ wärst Du?

Es ist Ramadan. Ein so schönes Thema zum Schreiben, soviel zu erzählen, und doch fehlen mir die Worte. Denn, erstens kann ich mich nicht entscheiden, was ich euch zuerst erzähle. Und zweitens ist manches auch schwierig zu beschreiben, wenn ich im Kopf habe, dass es meistens nur heißt: Im Ramadan essen und trinken Muslime nichts von Sonnenauf – bis Sonnenuntergang. Was für eine Reduzierung…

Viele Muslime würden alles dafür geben, dass sie diese Zeit in einem muslimischen Land verbringen könnten. Trotz Hitze. Atmosphäre ist also auch ein Thema im Ramadan. Sicherlich auch Kindheitserinnerungen. Aber all das an einem anderen Tag. Bei uns heute erst einmal:  Was macht man denn so? Einen Monat lang schlafend auf der Couch liegen? Kommt auf den Typ an, zwei lernt ihr gleich kennen.

Achtung, kleiner Warnhinweis vorweg: Für alle, die denken, dass alle Muslime gleich ticken, das Gleiche denken und Gleiche essen, wird das jetzt bisschen komplizierter. Aber ich beschränke mich erst einmal darauf, zwei Typen überspitzt darzustellen. Die Wahrheit liegt sicherlich wie immer dazwischen und hat noch Platz für 100 andere Typen. Aber von vorne.

Der Ramadan nähert sich Jedes Jahr langsam. Jedes Jahr wird er ein oder zwei Monate vorher registriert mit einem unglaublichen Staunen, dass das Jahr schon wieder vorbei ist und Ramadan vor der Tür steht. Da ist tiefe Freude, aber auch ein gewisser Respekt. Denn natürlich ist es neben all Schönem auch anstrengend.

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Mohamed Sayed – Pixabay.com

Die letzten Vorboten – jetzt wird es ernst

Das erste, was den Ramadan ankündigt, ist die Zeitumstellung. Aber Achtung, eine hatten wir schon im März. Ich persönlich finde es überflüssig. Vor Ramadan dann wird die Zeit quasi wieder zurück gestellt auf die Winterzeit, damit das Nachtgebet nicht so spät stattfindet. Das nenne ich mal praktisch veranlagt. Nach dem Ramadan wird sie dann wieder vorgestellt. Irgendwann blickt keiner mehr durch. Es gibt Eltern, die Anfang Ramadan zu früh zur Schule fahren. Ende Ramadan, zur nächsten Runde des Zeitumstellungsmarathons, sind dann schon Ferien. Glück gehabt!

Der zweite Vorbote des Ramadan sind die Meeeeegaschlangen auf dem Markt oder im Supermarkt. Es wird geshoppt, als gäbe es kein Morgen. Wenn man dann im Ramadan nicht mehr einkaufen würde, würd ich das verstehen. Aber der Konsum reißt nicht ab. Natürlich nicht. Abends will jeder etwas leckeres verdrücken. Aber die Waage zu halten, das ist scheinbar die große Herausforderung.

Was macht man denn im Ramadan?

Alles, aber nicht schlafen. Egal ob man nach Besinnung sucht und im Ramadan seine spirituellen Batterien auflädt oder eher der Volksfest-Typ ist. Zeit zum Schlafen bleibt kaum.

Tagsüber läuft das normale Leben, man geht arbeiten, zur Schule, ist zuhause, alles wie immer. Nur in der Regel kürzer. Die Schule meiner Tochter beginnt zum Beispiel um 9 Uhr statt 8 Uhr, und endet 15.30 Uhr statt 16.30 Uhr. Finde ich super. Hier richten sich die Menschen nicht immer nach dem Rahmen, man ist flexibel. Da richtet sich der Rahmen auch mal nach den Menschen. Für die Kinder, die durch das Iftar (Fastenbrechen) um 20 Uhr und das Ausgehen in der Nacht auch spät ins Bett kommen, wirklich besser. (Waaaas? Kinder draußen, mitten in der Nacht? Ja, im Ramadan ist Ausnahmezustand. Und auch sonst gehen Kinder nicht wie in Deutschland um 19 Uhr ins Bett. Siehe Marokko und die Zeit)

Also, um es kompliziert zu machen: Tagsüber business as usual, aber die Nacht wird irgendwie auch zum Tag. Es wimmelt bis 1 Uhr nachts vor Menschen auf großen Straßen. Hier im Viertel ist nichts geschmückt, und trotzdem ist Jahrmarktstimmung. In anderen Ländern gibt es auch eine schöne festliche Straßenbeleuchtung dazu. Vielleicht im Zentrum Casablancas auch. Aber bis dahin bin ich noch nicht gekommen. Ich tue mich noch schwer mit dem Ausnahmezustand. Meine Kinder wurden bisher nicht ausgeführt, die Armen mussten um 21 Uhr ins Bett.

Die zwei Ramadan-Typen

Die Spirituellen

Es gibt Menschen, denen geht es im Ramadan wirklich darum, sich zu besinnen, zu verbessern, sich  Allah zu nähern. Dass sie nichts essen und nichts trinken tagsüber ist nur ein Aspekt von vielen. Sie beten mehr, gehen zum Taraweeh (freiwilliges gemeinschaftliches Gebet in der Moschee nach dem Nachtgebet), lesen im Quran, versuchen sich in Geduld zu üben, sprich: nicht zu streiten, auszuflippen, mehr zu helfen, mehr zu spenden. Geduld in allen Facetten und Lebenslagen… das ist, glaube ich, die wirkliche Aufgabe im Ramadan. Nicht der Verzicht auf Nahrung, mit dem der Fastenmonat sonst beschrieben wird. Geduld ist das große Ziel. Und das alltägliche klägliche Scheitern vieler unterstreicht nur die Schwierigkeit dieser Herausforderung.

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Shahinshahshahin5 – pixabay.com

 

Der Volksfest-Typ

Da wir uns hier mitten im Leben befinden und nicht in einem Sachbuch Islamische Religionslehre, muss ich mal sagen, dass es auch Menschen gibt, Muslime, die nach dem Iftar zum Sonnenuntergang eben einfach nur rausgehen. Bisschen shoppen, Freunde treffen, bisschen schnacken, Sport treiben, Kinder Gassi führen. Die ein bisschen die laue Nacht genießen wollen, Eisessen, bevor sie am nächsten Tag sich wieder enthalten von alldem. Bevor sie auf ein Neues das Iftar vorbereiten, das durchaus zeitaufwändig und energieraubend sein kann. Oder bevor sie aufs Neue arbeiten.
Sicherlich gibt es auch Menschen, die gar nicht fasten. Aber diese sieht man nicht. Denn essen in der Öffentlichkeit ist im Ramadan tabu. Daran halten sich alle, außer die Kinder. Auch Touristen werden nicht zur Schnecke gemacht, wenn sie der Hunger packt. Allerdings müssen diese erst einmal ein offenes Restaurant finden. Das ist dann ihre Herausforderung und keine allzu kleine.

Wart ihr schon einmal in einem muslimischen Land im Ramadan? Wie habt ihr es erlebt? Ein paar Hinweise hat auch Sabrina zusammengetragen. Schaut mal rein. https://felibrina.com/2017/04/13/marokko-waehrend-des-ramadan-bereisen/

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