Highlight des Monats

Es ist schwer den Menschen wirklich begreiflich zu machen, wie sehr Sonne nerven kann, wenn die, denen du das erzählst, 3000 km weit weg sitzen und seit Wochen in einen düsteren Wolkenhimmel schauen. Die, wenn sie aus dem Fenster gucken, nicht wissen, ob gerade morgens, mittags oder abends ist. Ich kann mich erinnern: Das ist bitter! Und es kann die Laune durchaus runterziehen. Keine Frage!

Ich selbst habe genug solche Momente erlebt in einer Stadt, die für ihren Reichtum an Niederschlag mehr noch als für die Anzahl der dort lebenden Millionäre bekannt ist. Hamburg halt. Da lebte ich zuletzt.

Jetzt sitze ich in Casablanca und es gibt Tage, an denen ich nicht rausgehen kann, weil die Sonne so knallt. Dabei lebe ich noch nicht mal in Qatar, Dubai oder den Emiraten. Tage, an denen mir beim Sitzen die Brühe runterläuft und ich dreimal am Tag duschen müsste. Den Samstag vor einer Woche haben mich 35 Grad an den Strand getrieben. Wenn ich es nicht wüsste, ich würde nicht glauben, dass wir Mitte Oktober haben. Wenn ich die Zeit einfach nur damit verbringen könnte, am Strand rumzuhängen, hätte ich tatsächlich kein Problem mit solchen Temperaturen. Aber ich muss mich leider bewegen, irgendwie funktionieren, einmal am Tag am Herd etwas zusammenrühren, und Orgakram in der Stadt erledigen, obwohl mir nur nach Schlafen ist. Ich öffne den Kühlschrank und will mich am liebsten zu Tomaten, Gurken und Aubergine gesellen.

Diese Sonne kann mir echt manchmal alles verderben. Wenn ich mal wieder die Wäsche zu lange hängen gelassen habe und neue T-Shirts deswegen auf einer Seite schön ausgeblichen sind, die Pflanzen zwei Tage nicht überstanden haben, an denen ich vergessen habe zu gießen, und es eine Frage auf Leben und Tod wird, ob du Wasser mit auf einen Spaziergang mit nimmst, dann wünschst du dir eben nur eines: ein bisschen trübes Hamburgwetter zum Luftholen und Durchatmen. Ich meine, ich bin die, die bei echt miesem Wetter Fahrradtouren macht, zeltet, oder nen ganzen Nachmittag bei strömendem Regen mit Kindern auf dem Spielplatz abhängt. Wo ist der Schauer, der den Staub der letzten Monate endlich davonschwemmt?

Staub, der sich hier überall breit macht, überall hinlegt, reinkriecht. Der nach spätestens zwei Tagen wieder auf der Terrasse liegt, in der ich dann Schriftzüge malen kann. Der unsere Möbel überzieht oder das Autos nach einer Woche aussehen lässt, als hätte es eine Wüstenrallye hinter sich. Drinnen wie draußen, alles trocken. Alles schreit nach Wasser.

Und dann endlich: Ich wache morgens auf. Fühle eine leichte Brise. Es ist immer noch warm, aber es riecht nach Wasser. Und dann kam er, vormittags. Überrascht mich auf der Terrasse. Und ich freue mich wie ein Kind über die Wassertropfen, über dieses wunderbare Platschen, laufe barfuß durch den Regen, strecke mein Gesicht dem Himmel entgegen, der endlich die Sonne versteckt und den Sommer wegwischt. Endlich Kühle, ein Hauch von Herbst weht vorbei.

Lieber Regen, es wäre echt wunderbar, wenn du öfter mal vorbei schaust!!!

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4 Kommentare zu „Highlight des Monats

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  1. Oh, ich kann dich sehr gut verstehen. Der letzte Juni war hier so heiß, dass ich immer daran denken musste, wie man das auf Dauer aushalten kann. Und ich spreche von nur einem Monat. Ich wünsche dir noch viel Regen. LG

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