Jobsuche in Marokko – Was läuft anders?

Man nehme Mutter, Vater und Kinder und versetze sie nach Marokko. Nachdem man nun schon einmal die flauschige Kindergartenbetreuuung abzieht, die manchmal sogar das Mittagessen abdeckt, hat man in Marokko ein Problem, falls Mutter und Vater arbeiten gehen. Das Dilemma habe ich beschrieben: Familie und Beruf in Marokko – geht das?

Ich dachte mir nun, man könnte doch bestimmt auch hier Teilzeit etwas reißen. Und habe mich auf die Socken gemacht. War wirklich wie ein Abenteuer. Aber gleich vorweg: Bevor es zum Alltag werden konnte, war es auch schon vorbei. Ich habe trotzdem  etwas gelernt: Über mich, über meine Bedingungen und was ich kann und was nicht.

Jobsuche in Marokko läuft anders

Das Coolste: Keiner wollte meine Zeugnisse sehen. Das hat mir vor unserer Marokkozeit schlaflose Nächste bereitet. Wie Zeugnisse anerkennen, übersetzen, nochmal studieren? Bisher alles völlig umsonst. Bisher zählte, was ich drauf hatte. Mit dieser Form kann ich leben, wobei ich nicht annehme, dass das universell hier so läuft. Meine potentiellen Arbeitgeber sind Schulen oder Übersetzerbüros. Andere Bereiche ticken sicherlich schon wieder anders. In Deutschland zählte immer nur alles, wenn es nachweisbar war per Druck und Siegel. Zusätzlich erworbene Kompetenzen ohne Nachweis galten dann nicht. Das scheint in Marokko flexibler. Gut für mich.

Wie bewerben?

Es läuft viel über Mundpropaganda. Es gibt Jobportale wie marocannonces.com oder mitula.ma, aber hier lauert auch Betrug. Oft findet man hier keine Kontaktdaten der Firmen und muss seinen Lebenslauf (CV) verschicken. Das vereinfacht Betrügern, schnell an private Daten zu kommen. Der sicherste aber auch anstrengendste Weg ist die Initiativbewerbung. Wenn ich also einen Job als Lehrerin suche heißt das Klinkenputzen an den Schulen und den CV da lassen. Und immer wieder nachhaken. Diese Art von Bewerbung allein ist schon ein Vollzeitjob.

Ich war also hochmotiviert eine Beschäftigung zu finden. Sah auch erst ganz gut aus. Nicht sofort Absagen und immerhin eine probeweise Beschäftigung. Für jemanden wie mich, die bisher während des Studiums selbständig und nach dem Studium „nur“ ehrenamtlich gearbeitet habe (durchaus auch anspruchsvolle Aufgaben) und damit in Deutschland immer als Berufsanfänger galt, war ein „Vielleicht“ schon ein Hoffnungsschimmer.

Hindernisse

Ich habe also tatsächlich eine „Probezeit“ (wenn man das für eine Zeitspanne von zwei Wochen überhaupt sagen kann) absolviert. Ich kam gut mit den Kollegen klar, der Chef war mit mir zufrieden, aber der Arbeitsweg hat mir das Genick gebrochen. Ich wollte es vorher nicht glauben, wenn man vom höllischen Berufsverkehr spricht, aber wirklich: er ist die Hölle. Ich habe eine Stunde gebraucht. Für eine Tour. Und musste dann mittags wieder zurück. Eine Stunde. Selbst mit guter Organisation blieben mir vielleicht 3,5 Stunden zum Arbeiten. Dass das nichts werden kann, ist klar. Diese Teilzeitoption kann ich also vergessen, wenn es nicht bei mir um die Ecke liegt.

Ein anderes Problem war die Kommunikation. Eigentlich hatten wir nach diesem Zeitdesaster eine Lösung gefunden, bei der Aufträge zuhause erledigen könnte. Ich weiß bis heute nicht, ob momentan einfach nur Flaute ist oder mir einfach keiner ganz offen und direkt sagen wollte, dass dann die Zusammenarbeit beendet ist. Aus welchem Gründen auch immer.

Ich sehe da durchaus die Möglichkeit, dass ich unausgesprochene, durch die Blume genannte Informationen und Befindlichkeiten verpennt habe. Genauso wie die Möglichkeit, dass ich mich mit meinem Kommunikationsstil wie ein Trottel alles niedergetreten habe, was die Höflichkeit und der Anstand hier immer so schön umschreiben. Beides durchaus nicht ganz abwegig, wie ich mich kenne.

Wie geht es weiter?

Aber eines hat mir mein Zwei-Wochen-Experiment gezeigt: Einen Vollzeitjob will ich noch immer nicht, weil das Schulsystem hier nun mal so ist wie es ist. Da habe ich inzwischen für mich eingesehen, dass ich soviel dem deutschen Kindergarten nachheulen kann wie ich will und meinen spannenden Jobs, die ich vielleicht angetreten hätte. Vielleicht wäre ganz gut, mal die Hätte-Wäre-Könnte Brille abzusetzen und der Realität in die Augen zu sehen.

Und die Realität sagt mir, dass es hier nun mal keinen Kindergarten gibt, sondern nur Schulen. Alles, was ab 3 Jahren in die Betreuung kommt, wird quasi beschult. Des Weiteren sagt  mir die Realität, dass ich es schon in Deutschland nicht übers Herz gebracht habe, eine 2jährige mehr als 6 Stunden in der Kita zu lassen. Dann werde ich es erst recht nicht schaffen, den 3jährigen jetzt fast 8 Stunden in der Schule zu lassen. Zumindest die zwei Stunden Mittagspause brauchen sie. Also Vollzeit kann ich schon einmal aussortieren.

Aber es hat mir auch gezeigt, unter bestimmten Bedingungen ginge da was. Es muss bisschen näher dran sein und eben kompatibel mit den Zeiten. Und die Kommunikation werde ich dann wohl mal üben.

Wie habt ihr das für euch geklärt? Habt ihr im Ausland einen Job gefunden und war es schwierig?

Viele Grüße und Salams,

Eure Pam

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

Bloggen auf WordPress.com.

Nach oben ↑

%d Bloggern gefällt das: