Es ist Freitag – das heißt Couscoustag, mjam mjam

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Welcher Ramadan-Typ wärst Du?

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5 Wege, entspannt Gäste in Marokko zu empfangen

Gastfreundschaft die Zweite

In meinem Beitrag   Wenn Besuch kommt, Gastfreundschaft die Erste habe ich beschrieben, wie es zuhause abgeht, wenn Gäste kommen. Hier sollt ihr erfahren, warum sich die Menschen den ganzen Stress antun. Reine Nächstenliebe? Ich dachte immer, die Menschen haben einfach große Herzen und sie lieben es, Gäste zu empfangen. Ich dachte, was für eine tolle Eigenschaft und Großzügigkeit. Große Herzen haben sie, aber ich habe verstanden, dass Gastfreundschaft nicht immer nur damit zu tun hat. Was also steckt manchmal noch dahinter?

Was heißt Gastfreundschaft?

Gäste empfangen ist in Marokko alltäglich, aber auch aufreibend. Nicht einfach nur Tür auf, und einen leckeren Kaffee kochen. Nee, nee. Das wäre zu einfach. Da wird, wenn Zeit ist, geputzt, gebacken, und gewienert. Meistens ist jedoch keine Zeit mehr. Denn der Besuch kommt oft unangemeldet.

Zur Gastfreundschaft gehört unbedingt dazu, Weiterlesen „5 Wege, entspannt Gäste in Marokko zu empfangen“

Wie das Einkaufen in Marokko meine Mathekenntnisse verbesserte

Eine ganze Weile nach dem Sommerurlaub ging ich sehr ungerne einkaufen. Gerade die ersten beiden Wochen brauchte ich, um anzukommen und mich wieder umzustellen, und einkaufen kostete mich in dem Moment einige Überwindung. Man redet einfach so viel mehr und kann sich vor einer Interaktion nicht drücken. Selbst wenn ich alles schnell hinter mich bringen will, muss ich hier auf jeden Fall den Mund aufmachen. Ich muss ich immer zu mehreren gehen, um die Preise zu vergleichen. (Okay, ich muss nicht, aber ich versuche den Preis möglichst zu handeln wenn es möglich ist). Anders als im Supermarkt. Ware auf das Band stellen, kurz ein Moin grummeln, Ware einpacken, bezahlen und Tschüß. Der Standardfall in Deutschland also, wenn man dort nicht aus Überzeugung zum Markt oder Bioladen geht. Aber selbst im Bioladen würde man sich nicht hinstellen und versuchen das Kilo Müsli vielleicht doch für nen Euro weniger zu bekommen. Wäre mal ein lustiger Selbstversuch.

Jedenfalls redet man immer, auch wenn man nicht handelt. Denn die Preise stehen nur im Supermarkt an der Ware. Beim Obst, Gemüse, Fisch und Fleisch wird meist der Endpreis gleich ohne Spielraum nach unten genannt. Bei Kleidung kann man meist handeln, es sei denn man ist in einem größeren Laden, wo Preise explizit ausgeschildert sind. Außer reden und Verkäufer um den Finger wickeln, muss man zu allem Überfluss beim Einkaufen vor allem eines können: Kopfrechnen. Das ist ja so etwas von meine Stärke, haha.

Es ist schön, dass hier in Marokko mit Dirham gezahlt wird, aber leider, leider, leider rechnen alle mit Rial. Das ist so ähnlich wie der Pfennig oder heutzutage centimes, aber eben nur so ähnlich. Der Clou ist, dass 20 Rial 1 Dirham entsprechen. Wenn der Preis mir also in Rial genannt wird (was so gut wie immer der Fall ist), muss ich schleunigst meine grauen Zellen auf Trab bringen, damit ich der Verhandlung folgen kann und am Ende auch weiß, welchen Schein ich nun hinreichen muss. Ich muss dann also den Preis immer durch 20 dividieren, damit ich auf den Preis in Dirham komme (kurze Erläuterung für Matheasse wie mich ;-)).

Anfangs bereitete mir das gewisse Schwierigkeiten, aber inzwischen bin ich wirklich gut im Kopfrechnen geworden. Vierstellige Zahlen gehen inzwischen auch schon ganz fix. Nur bei fünfstelligen oder noch größeren Beträgen bin ich aufgeschmissen. Und meine Denkleistung ist noch verbesserungswürdig. Denn immer öfter wollen die Leute von mir auch noch in Rial verhandeln. Sprich ich muss ihren genannten Preis in Dirham umrechnen, meinen Preis, den ich natürlich in Dirham im Kopf habe, wieder auf Rial zurückrechnen. Das Rückrechnen dauert dann dreimal solange. Er oder sie nennt mir wieder einen neuen Preis und das Spiel beginnt von vorne. Oje. Schreckliche Vorstellung, oder?

Anfangs wähnte ich mich in Sicherheit und hoffte auf ein ungetrübtes und besonders kinderleichtes da rechenfreies Shoppingvergnügen, wenn meine Schwägerin oder meine Schwiegermutter dabei waren. Aber ich musste schnell feststellen, dass sie zwar völlig korrekt in Dirham bezahlen konnten, aber auf meine Frage, wieviel das denn nun in Dirham sei, keine Antwort wussten. Aber letztendlich schadete mir das natürlich nicht. Das beschleunigte meine Mathekenntnisse ungemein.

Also hier gleich zwei gute Tipps für alle Reisenden, die sich in Marokko ins Getümmel stürzen wollen: Erstens immer Bargeld dabei haben. Die Kreditkarte ist in Marokko noch nicht ganz angekommen (außer in großen Hotels oder den paar Supermärkten). Und zweitens: 1×1 üben. Könnte helfen! 😉

 

 

Der Tod und die Kinder oder: Sollten Kinder beim Schlachten zusehen?

Es gibt Momente, da muss man eine Entscheidung treffen. Und wenn man sich vorher nie Gedanken machte, dann intuitiv. Solch ein Moment war das Opferfest. Als am Opferfest (das ich  hier beschrieben habe) alle nach oben stürzten, um das Schlachten zu beginnen, hielt ich kurz inne und es stellte sich mir folgende Frage:

Sollen meine Kinder beim Schlachten zusehen oder nicht?

Es war sehr wenig Zeit, um eine Entscheidung zu treffen. Denn Kinder merken es sofort, wenn etwas im Gange ist und folgen der Herde, an welchen Ort auch immer. Besonders wenn die Minderheit, die nicht folgt, die Mama ist. Um sie also zurück zu halten, hätte ich mir sehr schnell etwas Spannendes einfallen lassen müssen. Zuvor musste ich nun aber entscheiden, ob ich das sonst Unvermeidbare, nämlich dass die Kinder das Töten eines Tieres und unweigerlich eine Menge Blut sehen würden, wirklich vermeiden wollte.

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Das Schweigen der Hammel

Jetzt ist es über vier Wochen her, das Opferfest. Und endlich ist auch der Fleischer wieder offen. Das ist wirklich eine lange Zeit gewesen, aber dieser Laden ist nun der letzte der wieder zur Normalität übergeht. Diese lange Zeit macht auch deutlich, wie wichtig dieses Fest ist. Kurz vor dem Opferfest fahren sehr viele zu ihren Familien auf das Land, Casablanca wirkt fast leer. Und viele Läden sowie Gemüsemärkte sind gut zwei Wochen geschlossen. Jeder Gemüsehändler, der vorher verkauft, nimmt mangels Angebot das Dreifache des normalen Preises. Nach zwei Wochen Urlaubsstarre kommt dann wieder Leben in die Metropole.

Das Opferfest ist an sich nicht sehr feierlich, jedenfalls nicht in unserer Familie. Aber vor ein paar Jahren sagte eine Bekannte etwas Kluges. Sie meinte, dass man die verschiedenen Feste wie Weihnachten (das wir aus Deutschland eben auch kennen und daher vergleichen können), Zuckerfest oder Opferfest einfach nicht vergleichen kann, da jedes eine ganz eigene Dynamik und Atmosphäre hat. Jedes Fest hat scheinbar seinen ganz eigenen Herzschlag und Geschmack.

Der Geschmack des Opferfestes ist eindeutig Fleisch, ganz viel Fleisch. Morgens gegen 7h Weiterlesen „Das Schweigen der Hammel“

Ein Leben ohne Supermarkt

Wie oft nahm ich mir in Deutschland vor, nur noch Bio zu kaufen, zu essen, mehr selber zu machen, weniger zu Tiefkühlkost zu greifen? Ich war nie konsequent. Leider. Ich bin wahrscheinlich eine der vielen, die zuviel gelesen hat, um ohne schlechtes Gewissen im Supermarkt einzukaufen oder auf dem Markt zum Billigsten zu greifen. Aber zu inkonsequent ist, um das Theoretische ins Praktische zu übersetzen. Zumindest teilweise. Bei mir gab es im Kühlschrank ein buntes Durcheinander von Demeter über EU-Bio bis zu Konventionell. Wer weiss? Wenn wir geblieben wären, vielleicht hätte ich es vielleicht irgendwann einmal wirklich geschafft.

Aber jetzt brauche ich mich nicht mehr zu überwinden, mir To-Do-Listen schreiben oder mein ab-Morgen-wird-alles-Anders-Mantra wiederholen. Hier in Marokko bin ich gezwungenermassen zur DIY-Jüngerin und Back-To-The-Roots-of-Food Kennerin geworden. Fertig kommt bei uns bisher Brot, Fischstäbchen und Pizzasauce ins Haus. Nicht weil ich Spaß daran habe, Tortellini und Gnocchi selber zu machen (naja, gut, so übel ist es gar nicht), sondern weil es manche Dinge wie eben genanntes gar nicht gibt, es ist megasüß, es schmeckt nach einem ordentlichen Schuss aus der Chemiekeule (zum Beispiel Joghurt und Eis) oder weil es unser Budget übersteigt. Wie eben erwähnt, ist es auch spannend so langsam zu entdecken, was hinter den Fertigprodukten steckt, die ich in Deutschland so gerne konsumiert habe. Soviel Aufwand ist die Herstellung meist auch gar nicht. Aber natürlich mehr Zeitaufwand als Tüte aufschneiden- 10 min. kochen- Fertig!

Etwas vermisse ich das Tiefkühlgemüse, das geputzt, portioniert und sogar gewaschen war. Ein bisschen vermisse ich die Tiefkühlpizza, und die Tiefkühlhefeklöße. So braucht es einen Fernsehabend, um am nächsten Tag Erbsen essen zu können. Denn die muss ich hier selber aus der Schote pulen. So gibt es nicht einmal eben Gnocchi und Tomatensauce. Da muss ich mich eben hinstellen und Gnocchi formen. Unter uns gesagt, dauert das auch nicht ewig. Es lohnt den Aufwand. Tortellini, Hefeklöße, Blätterteig, Streuselschnecken, Pesto und vieles mehr steht noch auf meiner Muss-mal-ausprobiert-werden-Liste. Abwechslungsreich essen und gern gegessene Gerichte zubereiten wird etwas aufwendiger und zeitintensiver. Manchmal finde ich es okay, manchmal nervt es mich.

Dafür lerne ich momentan immer wieder neues dazu ohne mich anzustrengen. Ich lerne im Laufe des Jahres viele neue Gemüsesorten kennen, und brauche mich nicht zu fragen, ob denn gerade Saison ist, damit ich guten Gewissens das Gemüse oder Obst meines Verlangens nach Hause tragen darf. Denn wäre nicht Saison, dann gäbe es hier nicht auf dem Markt. Ist ein Produkt importiert, und vielleicht somit wegen des langen Transportweges für mich nicht vertretbar, dann brauche ich kein Etikett, um das zu wissen. Dann ist das einfach dreimal so teuer als das heimische Gemüse.

Für die kulinarisch interessierten gibt es momentan Blumenkohl, Zucchini, Auberginen, Tomaten, Kartoffeln, Ful-Bohnen, Brechbohnen, Artischocken (ich habe zwei im Kühlschrank und will seit Ewigkeiten recherchieren, wie man die zubereitet), Zwiebeln, Spinat, Rettich, Kürbis, Erbsen, Möhren, Blattsalat, Gurken. Das Obstangebot umfasst Erdbeeren (seit Januar, yummie. Ein mega Pluspunkt für Marokko), Äpfel (importiert), Birnen (importiert), Bananen, Honigmelonen, Wassermelonen, Orangen, Mandarinen, Mangos, Papaya, Kokosnüsse (importiert nehme ich an), Luquat (habe ich heute dazu gelernt, aber nicht gegessen). Und so verabschiedet sich das ein oder andere Obst oder Gemüse im Laufe des Jahres, um auf dem Holzwagen der Verkäufer Platz für andere zu machen. Hat sich bei mir erledigt, irgendwelche Kalender mit den Übersichten für die Saison der Gemüsesorten aufzukleben. Was ich noch toll finde an den vielen Gemüsemärkten hier… hier braucht sich kein Gemüse nach einer EU Norm zu richten. Schiefe Möhren, herzförmige Kartoffeln, krumme Gurken… egal, hier landet alles auf dem Tisch. Großes Manko hier sind die nicht vorhandenen Kontrollen und Grenzen. Hier kann man so viel Pestizide auf die Pflanzen spritzen, wie man lustig ist. Die Tomaten sind manchmal noch ganz weiß von dem Pulver.

Was mich wundert, ist, dass die Supermärkte bisher noch nicht die Oberhand gewinnen konnten. Ich habe 2004 bei einem Praktikum eine Studentin kennengelernt, die über die Veränderung der wirtschaftlichen Strukturen in arabischen Ländern schreiben wollte, die durch Supermärkte ausgelöst werden. Das war vor über 10 Jahren. Damals fand ich das Thema todlangweilig, schon allein durch das Wort Wirtschaft. Heute wünschte ich mir, ich hätte sie ein bisschen interviewt. In Marokko scheint sich seitdem nicht viel verändert haben.

Die lokalen Märkte und Hanuts (wie die Tante Emma-Läden heissen) behalten weiter tapfer die Oberhand. Eine Minderheit tätigt seinen Einkauf regemäßig im Supermarkt.  Wahrscheinlich entweder weil man gleich nebenan wohnt oder weil es auch schicker ist als auf einen regionalen Gemüsemarkt. Da geht ja jeder hin 😉 Für die meisten Menschen sind die Supermärkte auch häufig zu weit entfernt und außerdem auch oft teurer. Hier zahlt man also tatsächlich den Supermarktgang als lifestyle- Element. Früher als Urlauber war es für mich immer eine nette Abwechslung einmal in den Supermarkt zu gehen. Heute finde ich es zeit-, mit Kindern nerven- und geldraubend. Ich freue mich, dass der Markt nur 5min. Gehminuten entfernt ist und ich stört es nicht, dass hier alle einkaufen gehen. 😉 Ich mag den Esel, der immer geduldig dort wartet bis der ganze Zirkus vorbei ist und sein Grünzeug kaut. Oder die Verkäufer, die jeden Tag dort stehen und die Kunden manchmal schon mit Namen kennen. Ich mag die Holzkarren, das unvollkommene Gemüse, das Stimmengewirr… nur auf Verkäufer, die mich über das Ohr hauen wollen. Auf die könnt ich verzichten.

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