Ursprüngliches Marokko – der Atlas

Bergeslust, Teil I

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Was ich über das Reisen mit dem Auto gelernt habe

Ich hätte es nicht für möglich gehalten, aber gut reisen kann man lernen. Ich zumindest. Wir gewöhnen uns daran und perfektionieren uns.

Aufregung gehört einfach dazu

Die schlechte Seite der Gewohnheits-Medaille: Irgendwo ging dieses Kribbeln vor der Reise verloren. Leider. Eine Reise ist das Kribbeln wert. Egal wohin sie uns verschlägt. Niemand weiß, wohin uns eine Reise führt. Jedes Mal, wie vertraut auch die Route war, habe ich etwas über mich oder die anderen gelernt. Und unsere Reisen sind schon wegen der Entfernung ein Überraschungsei. Aber irgendwann ging uns das Hibbeln verloren und ich fahre so aufgeregt mit dem Auto nach Marokko wie von Hamburg nach Berlin.

 

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Jetzt liegen nicht Welten, aber doch Erfahrungen zwischen meiner ersten Autoreise nach Marokko und heute. (Einblick in unsere letzte Autoreise und ihre ganz besondere Überraschung erhält man hier: Nicht ohne mein Auto) Dass meine Organisation tatsächlich besser werden könnte, bezweifelte ich lange. Zu Studienzeiten fehlten mir immer Papiere, Portemonnaie, Schlüssel, oder Taschen und spät dran war ich trotzdem. Ein paar Jahre später komme ich genauso viel zu spät. Ich muss aber organisatorisch was gerissen haben. Inzwischen komme ich meistens zu dritt. Ich vergesse noch Dinge für mich, aber zumindest für die anderen beiden nicht.

Das ganze Chaos wurde nur schlimmer, wenn es auf Reisen ging. Dann reichte es nicht, einen Nachmittag und seine Überraschungen zu durchdenken. Dann musste ich mir vorstellen, was in den nächsten vier Tagen für Erlebnisse auf uns warten könnten. Dass wir die Reise häufiger machten und die letzten vier oder fünf Male mit dem Auto und der Fähre unterwegs waren, machte den Lerneffekt einfacher.

Was habe ich schon gelernt?

Ich kann mich inzwischen begrenzen. Ich weiß, dass ich nur einmal Wechselklamotten auf der Fahrt brauche. Anders als die Kinder versteht sich. Aber auch für die brauche ich nicht meinen ganzen Hausstand. Und die Kleidung für unterwegs kommt in einen extra Koffer. Hört sich logisch an, war aber auf unserer ersten Reise nicht bedacht und ein ständiger Auspack-Umpack-Horror.

Medikamente für den kleinen Notfall sind superwichtig. Ich fragte mich natürlich, worum gerade in diesen drei Tagen eine Grippe ausbrechen sollte, wo doch alle quicklebendig sind. Ich habe gelernt, mich nicht mehr täuschen zu lassen. Fiebersaft, Nasentropfen, Hustenbonbons und Tabletten gegen Reiseübelkeit sind immer griffbereit. Genauso wie die Tüte, wenn die Tabletten nicht helfen.

Proviant darf nicht kleben, schmieren, oder waschresistent sein. Oder ich ziehe meine hässlichsten Sachen an. Dann muss aber das Auto trotzdem daran glauben. Für gut befunden wurden von uns: Geschmierte Käsebrote, Studentenfutter, hart gekochte Eier, Gurken und Tomaten, Äpfel, selbstgemachte Teigtaschen, Kekse ohne Schokoüberzug, Muffins.

Ich habe auch nicht mehr fünf Bücher dabei, sondern eines. Es ist schade, dass mein Lesetempo so schleicht, aber was solls. Auch bei meinen Eltern fasse ich zwischen all den Familienbesuchen und anderen Terminen kein Buch an. Inzwischen habe ich es einfach akzeptiert. Noch besser natürlich ein Ebook-Reader. Ich hatte einen für zwei Tage. Dann verabschiedete er sich.

Unterhaltung ist das A und O. Ohne Unterhaltung wird es unmöglich, zwei Kinder in ihren Kindersitzen zu halten.

Entertainment ist das A und O

Bewährt haben sich bei uns:

  1. Puzzle
  2. Kinderlieder zum Abspielen und Mitträllern
  3. Einfache Spiele ohne Schnickschnack wie Ching Chang Chong oder Ich sehe was, was du nicht siehst
  4. DVDs und den Laptop oder ein Tablet
  5. Schoki ohne Ende. Das ist der Notnagel, wenn die Stimmung kippt und alle am liebsten aus dem Auto stürzen möchten. Und die Ausnahme für die Proviantregel von oben. Wenn ich meine Beine nicht mehr spüre und die Kinder anfangen, mit den Köpfen gegen die Sitze zu schlagen. Wirf in diesen Momenten eine Tafel Schokolade, Lollies oder andere Süßigkeiten in den Raum und alle sind plötzlich wie Zucker zueinander.

 

 

Auto oder Flugzeug?

Ich kann mich nicht entscheiden. Auto finde ich schrecklich, wenn wir durchfahren wie bisher. Und Kinder dabei sind. Die Fähre wiegt den Stress vorher oder hinterher fast wieder auf. Aber nur fast.

Flugzeug ist bequem (es sei denn man muss wegen einer verspäteten Maschine durch den Pariser Flughafen in 30 min. hotten, mit zwei Handgepäckstücken, einem Baby in der Trage vor dem Bauch baumelnd und eine 3jährige, die ein drittes Handgepäckstück zieht und neben mir rennt.).

Flugzeug ist schnell. Fliegt man allerdings mit Royal Air Maroc, kann es mal sein, dass man gar nicht fliegt oder umgeleitet wird. Aus einem Direktflug wird ein Flug mit Umsteigen und längerer Reisedauer. Dann doch nicht mehr so schnell.

Der Riesenminuspunkt des Fliegens ist der Flughafen Casablanca. Es fliegen scheinbar immer alle Flieger zur selben Zeit los und alle Reisenden müssen daher zur selben Zeit durch die Passkontrolle. Klar, dass nur drei Schalter geöffnet haben. Es ist natürlich nicht der Job der Polizei die Reisenden glücklich zu machen, indem alle Schalter besetzt sind und wir uns keine zwei Stunden in der Masse die Beine krumm stehen. Nervig ist es trotzdem.

Allerdings: Um die Unterhaltung brauchen wir uns am Flughafen keine Gedanken machen. Irgendwer wird schon ausflippen und sich an die Gurgel gehen.

 

Ich bin gespannt, ob ihr noch Empfehlungen für Autospiele/Spiele unterwegs habt oder ein paar spannende Geschichten. Es passiert so viel, wenn man unterwegs ist. Ich fände es toll, Eure spannendsten Erlebnisse zu hören.

 

Wie das Einkaufen in Marokko meine Mathekenntnisse verbesserte

Eine ganze Weile nach dem Sommerurlaub ging ich sehr ungerne einkaufen. Gerade die ersten beiden Wochen brauchte ich, um anzukommen und mich wieder umzustellen, und einkaufen kostete mich in dem Moment einige Überwindung. Man redet einfach so viel mehr und kann sich vor einer Interaktion nicht drücken. Selbst wenn ich alles schnell hinter mich bringen will, muss ich hier auf jeden Fall den Mund aufmachen. Ich muss ich immer zu mehreren gehen, um die Preise zu vergleichen. (Okay, ich muss nicht, aber ich versuche den Preis möglichst zu handeln wenn es möglich ist). Anders als im Supermarkt. Ware auf das Band stellen, kurz ein Moin grummeln, Ware einpacken, bezahlen und Tschüß. Der Standardfall in Deutschland also, wenn man dort nicht aus Überzeugung zum Markt oder Bioladen geht. Aber selbst im Bioladen würde man sich nicht hinstellen und versuchen das Kilo Müsli vielleicht doch für nen Euro weniger zu bekommen. Wäre mal ein lustiger Selbstversuch.

Jedenfalls redet man immer, auch wenn man nicht handelt. Denn die Preise stehen nur im Supermarkt an der Ware. Beim Obst, Gemüse, Fisch und Fleisch wird meist der Endpreis gleich ohne Spielraum nach unten genannt. Bei Kleidung kann man meist handeln, es sei denn man ist in einem größeren Laden, wo Preise explizit ausgeschildert sind. Außer reden und Verkäufer um den Finger wickeln, muss man zu allem Überfluss beim Einkaufen vor allem eines können: Kopfrechnen. Das ist ja so etwas von meine Stärke, haha.

Es ist schön, dass hier in Marokko mit Dirham gezahlt wird, aber leider, leider, leider rechnen alle mit Rial. Das ist so ähnlich wie der Pfennig oder heutzutage centimes, aber eben nur so ähnlich. Der Clou ist, dass 20 Rial 1 Dirham entsprechen. Wenn der Preis mir also in Rial genannt wird (was so gut wie immer der Fall ist), muss ich schleunigst meine grauen Zellen auf Trab bringen, damit ich der Verhandlung folgen kann und am Ende auch weiß, welchen Schein ich nun hinreichen muss. Ich muss dann also den Preis immer durch 20 dividieren, damit ich auf den Preis in Dirham komme (kurze Erläuterung für Matheasse wie mich ;-)).

Anfangs bereitete mir das gewisse Schwierigkeiten, aber inzwischen bin ich wirklich gut im Kopfrechnen geworden. Vierstellige Zahlen gehen inzwischen auch schon ganz fix. Nur bei fünfstelligen oder noch größeren Beträgen bin ich aufgeschmissen. Und meine Denkleistung ist noch verbesserungswürdig. Denn immer öfter wollen die Leute von mir auch noch in Rial verhandeln. Sprich ich muss ihren genannten Preis in Dirham umrechnen, meinen Preis, den ich natürlich in Dirham im Kopf habe, wieder auf Rial zurückrechnen. Das Rückrechnen dauert dann dreimal solange. Er oder sie nennt mir wieder einen neuen Preis und das Spiel beginnt von vorne. Oje. Schreckliche Vorstellung, oder?

Anfangs wähnte ich mich in Sicherheit und hoffte auf ein ungetrübtes und besonders kinderleichtes da rechenfreies Shoppingvergnügen, wenn meine Schwägerin oder meine Schwiegermutter dabei waren. Aber ich musste schnell feststellen, dass sie zwar völlig korrekt in Dirham bezahlen konnten, aber auf meine Frage, wieviel das denn nun in Dirham sei, keine Antwort wussten. Aber letztendlich schadete mir das natürlich nicht. Das beschleunigte meine Mathekenntnisse ungemein.

Also hier gleich zwei gute Tipps für alle Reisenden, die sich in Marokko ins Getümmel stürzen wollen: Erstens immer Bargeld dabei haben. Die Kreditkarte ist in Marokko noch nicht ganz angekommen (außer in großen Hotels oder den paar Supermärkten). Und zweitens: 1×1 üben. Könnte helfen! 😉

 

 

Nicht ohne mein Auto

Das Anlegen der Fähre in Tanger dauerte ewig. Wir kauerten früh am Morgen mit all den anderen Reisenden der Fähre in einer Möchtegern-Fünfsterne-Lounge. Ich war zwar schon ewig nicht mehr in einem Sternehotel. Das letzte Mal mit meinen Eltern als Jugendliche, wenn ich mich recht erinnere. Aber diese Lounge erinnerte mich an vergangene Zeiten. Die Ausstattung ist einerseits auf Praktikabilität ausgelegt, andererseits soll es wohl auch elegant wirken. Aber die Architektur ist von etwa so elegant wie die von Flughäfen.

Nach langem Warten bewegten wir uns dann zur Garage, um hoffentlich in drei Stunden anzukommen. Wir waren schon auf eine längere Diskussion beim marokkanischen Zoll vorbereitet. Die Pässe und Autopapiere werden schon auf der Fähre am Vortag der Ankunft kontrolliert, um das Prozedere beim Zoll zu beschleunigen. Schon da wollte er unsere Autopapiere nicht abstempeln. Aber meist lösen sich die Probleme nach einem Gespräch mit dem Vorgesetzten und im schlimmsten Fall mit Zahlung von „Trinkgeld“ auf.

Wir fuhren also zum Zoll und ein Auto nach dem anderen passierte unseres, während Weiterlesen „Nicht ohne mein Auto“

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