Urlaub ade

img-20160916-wa0001Da sind wir wieder. Online, in Marokko und überhaupt. Lang, lang ist es her, aber hoffentlich wiederholt sich solch eine lange Abwesenheit nicht wieder – online.

Unser Urlaub in Deutschland war heiß ersehnt, länger als gedacht und doch viel zu kurz und ein Geschenk. Ein großes Geschenk.

Und nun ging es wieder nach Marokko. Mit dem Auto. 3500 km insgesamt, davon ungefähr 2000 km auf der Straße Sardinenfeeling mit einem Engagement als Entertainer, Kopfkissen und Schlafmatratze sowie Blitzableiter für zwei Kinder in einer Person. Meiner Person. In Momenten wie diesen denke ich sehnsüchtig an die langweiligen Zugfahrten oder Autofahrten zurück, die ich mit Lesen, Träumen und Telefonieren verbrachte. Aber aus unerfindlichen Gründen mag ich das Reisen mit dem Auto. Wir erleben die Reise anders, wir sehen die Landschaften. Und würden wir uns mehr Zeit nehmen, würden wir auch viel von Spanien und Frankreich sehen. Aber wenn man dann auf dem Weg in die Heimat ist, dann wird das Entdecken neuer Welten zweitrangig. Schade, aber so ist es momentan.

Ich bin leider so gar kein Organisationsprofi. Was mir an Organisation fehlt, mache ich meistens mit Improvisation und Zähigkeit wett. Und ich habe jedes Mal wieder etwas Praktisches für die Reise dazu gelernt.

  1. Immer einen großen Vorrat an Bonbons und Lollis parat haben. Es gibt Momente, da hilft es wirklich nur, Schreihälsen den Mund zu stopfen.
  2. Auch wenn jede Lücke im Auto für Gepäck ausgenutzt werden soll, die Beinfreiheit sollte heilig sein.
  3. Es lohnt sich, das eigene Kissen dabei zu haben.
  4. Schokolade ist tabu. Alles, was krümelt, ist einfacher zu entfernen.
  5. Wir führen grundsätzlich das halbe Kinderzimmer mit, um auch keine Langeweile aufkommen zu lassen.
  6. Nachts fahren ist umso vieles einfacher.

Wenn dann alles gut geht, kommt man in der Regel irgendwann am Hafen an, von dem die Fähre übersetzen soll. Da gibt es jede Menge Auswahl. Fährt man von Algeciras/ Spanien nach Marokko, kann man sich eine Vorreservierung sparen, da die Fähre mehrmals am Tag fährt und immer ein Plätzchen für das Auto übrig hat. Der Nachteil ist hier, dass man eine lange Strecke Autobahn vor sich hat. Weitere Möglichkeiten sind unter anderem Barcelona/ Spanien, Genua/ Italien oder Sete/ Frankreich. Diese drei haben wir schon ausprobiert. Barcelona und Sete nehmen sich von den Kilometern Autobahn nicht viel. Genua ist lang, aber wir können diese Fahrt immer mit einem Familienbesuch verbinden. Allerdings ist die Strecke nach Genua auf den letzten Metern anstrengend durch Serpentinen. Die können etwas sensiblen Menschen, besonders in den warmen Sommermonaten, zu schaffen machen.

Mein Favorit ist daher Sete. Überschaubare Strecke und … ein Supermarkt in Hafennähe. Sogar fußläufig zu erreichen, also auch, wenn man mit dem Auto schon in der Schlange vor der Passkontrolle steht. Ein Supermarkt klingt banal, ist aber für mich, die leider Eigenschaften wie Vergesslichkeit und Verpeiltheit in mir vereint, großartig. Wenn man abfährt, kann man noch Dinge, die unbedingt mit sollten und jetzt endlich durch den auf der Hinreise verzehrten Proviant Platz haben, besorgen. Wenn man gerade in Europa ankommt kann man sich, ausgehungert wie man ist, für die bevorstehende Fahrt eindecken. Also für mich steht fest… jetzt immer über Sete.

Die Überfahrt war entspannt. Es waren wenige Leute unterwegs. Die meisten waren jetzt in die entgegengesetzte Richtung unterwegs. Für die meisten hieß es von der Familie in Marokko Abschied nehmen und zurück nach Europa zu reisen, wo Arbeit und Schule rufen. Bei uns rufen Arbeit und Schule in Marokko. Sonst auf der Fähre gibt es viele Menschen, die zumindest in den oberen Etagen auf den Gängen liegen, da sie sich keine Kabine gönnen oder leisten können. Es riecht trotz des Verbots von offenem Feuer in den Kabinen nach Gekochtem in jedem Flur.  Und es ist ein stetiges Kommen und Gehen. Diesmal auf der Überfahrt trafen wir immer dieselben Leute und es war schon fast familiär.

Außerdem hatten wir vorbildlich unser Proviant gepackt, Wasser ebenfalls nicht vergessen und mit den Wechselsachen nur bisschen übertrieben, sodass wir keinen gesamten Koffer mit in die Kabine hieven mussten. Das ist etwas, was ich ebenfalls dazu gelernt habe. Einen Extrakoffer für die Fähre zu packen. Auf unserer ersten Reise dieser Art erlag ich dem Irrtum, man könnte zwischendurch schnell etwas aus dem Auto holen. Dass aber die Schotten dicht gemacht werden, darauf war ich nicht vorbereitet. Jetzt sind wir es.

Als wir dann um 8.00 in Tanger anlegten, freute ich mich nach all dem Trennungsschmerz sogar ein bisschen auf die Hitze, das Gewusel, das andere Leben, das mir inzwischen etwas vertrauter geworden war. Ich sah uns schon die Familie begrüßen, gemeinsam Mittagessen, die Geschenke auspacken. Aber es sollte alles anders kommen. Aber das ist eine andere Geschichte, die nächste dann hier an dieser Stelle.

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