Alleine trauern

Eigentlich war es anders geplant. Eigentlich habe ich mich hingesetzt, hippelig, endlich was zu schreiben. Eine Woche vergeht so schnell. Diesmal etwas Leichtes, das letzte Thema war schon so trocken, abgekaut… Ich habe schließlich gelesen, dass Abwechslung dem Blog gut tut. Nicht langweilt so sehr wie immer Ernsthaftigkeit, nicht wahr? Nur noch schnell die Nachrichten checken, Facebook klappt auf, ganz oben lese ich „trauriger Anlass“, „von uns gegangen“ und einen Namen… und mein Verstand verweigert sich. Das Telefon klingelt, klingelt und ich versuche mich lange 20 min. auf ein Gespräch zu konzentrieren, das mich doch nicht mehr erreicht. Als es vorbei ist, versuchen meine Gedanken dem Gelesenen einen Sinn zu geben. Aber da ist keiner. Denn der Tod ist immer sinnlos. Er ist eben da.

Er passiert, reißt uns aus unserer Routine, aus unserer hübschen Welt, die wir uns zurecht legen. So wie aus meinem leichten Text, weil es die Leser gerne mögen, jetzt ein Text über den Tod wird, den wahrscheinlich keiner mag. Aber wenn dich die Trauer erwischt, dann werden dir andere egal. Zweifel, ob jemand zuhört… Zweifel, ob ich von dieser besonderen Frau als meine Freundin sprechen darf? Zweifel, ob das normal ist? Weggewischt.

Was zählt bin ich und die Erinnerung an den Menschen, der von uns gegangen ist. Was zählt, ist, dass mein Herz bebt, obwohl diese Freundin nicht meinen Alltag, meine Ängste oder schlechten Zeiten mit mir geteilt hat und trotzdem ein Teil meines Lebens war. Menschen berühren und begleiten mich, obwohl sie mich wahrscheinlich schon vergessen haben. Ich denke an Gespräche zurück oder Momente, die ich mit ihnen geteilt habe. Meinungen, die mich beeinflusst haben. Und so bleibt jeder präsent. Gewollt oder ungewollt.

Meine Kopfschublade mit den Worten TOD, TRAUER, ABSCHIED ist weit offen. Seit zwei Tagen. Wann sie sich wieder schließt weiß ich nicht. Es ist angenehmer, wenn sie es wäre. Aber auch unehrlicher. Menschen können sterben. Und wenn Du am Ende der Welt sitzt, kannst Du nichts tun. Nicht einmal zur Beerdigung gehen. Vielleicht eine Kondolenzkarte schreiben, die nach vier Wochen eintrifft. Was vielleicht gar nicht schlimm wäre, da der Tod allen Angehörigen sowieso das Zeitgefühl gestohlen haben wird.

Ich könnte jetzt weiterschreiben über das Abschiednehmen, jedes einzelne, wenn Du Deine Eltern, Großeltern, Familie und Freunde verlässt. Ich habe genug Gedanken für ein ganzes Buch dazu. Aber es fühlt sich nicht richtig an. Als würde es meiner Freundin den Platz stehlen, der in diesem Text ihr gebührt. Daher … lieber ein anderes Mal.

Jetzt denke ich an sie. Jetzt tut es mir leid, dass wir uns nie verabschieden konnten. Dass wir uns aus den Augen verloren. Sie wusste nie, wie oft ich tatsächlich an unsere beiden letzten Gespräche zurückdenke, obwohl sie zufällig, spontan, aber gleichzeitig so herzlich und aufrichtig waren. Nur in einem war ich nicht offen. Sie wusste nie, wie wertvoll ich sie als Mensch fand.

Was ich jetzt tun kann, ist wohl nur: Weiter nach Worten suchen. An sie denken. Und es bei anderen Lieben besser machen. In Gedenken an Dich!!!

 

PS: Erst letzte Woche las ich einen Artikel, der mich umgehauen hat und den ich jetzt gerade auch wieder und wieder lese: wenn mütter sterben. Wenn ich keine Worte finde, dann finden sie andere.

 

 

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